Schneeschuhhasen im Glas

Ein reproduktionsmedizinischer (Bühnen)Versuch in 5 Phasen
Für mindestens eine Schauspielerin

Ausgezeichnet mit dem Niederländisch-Deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreis “Kaas und Kappes” 2011
Laudatio nachlesen
Eingeladen zum Frankfurter Autorenforum 2011

Rechte bei Hartmann und Stauffacher Köln

1978 erblickte zum ersten Mal ein humanes Retortenkind das Licht der Welt. Was man damals noch für ein Wunder hielt, gehört heute zum Alltag: seither sind 3,7 Millionen – das entspricht in etwa der Einwohnerzahl Melbournes – durch künstliche Befruchtung außerhalb des Mutterleibs gezeugte Kinder dazugekommen. Und jährlich werden es ungefähr 200.000 mehr. Tendenz steigend. Eine Erfolgsgeschichte?

2010 erhielt der „Vater“ jenes ersten Kindes – ein Mädchen – den Nobelpreis für Medizin; seit 2011 debattiert der Bundestag über die Gesetzesregelung zur Präimplantationsdiagnostik: Deutschland ist nur eines von drei europäischen Länden, in denen diese nicht erlaubt ist.

Sie, die

gemacht worden
ist, unternimmt einen gewagten Versuch: Weil ihr bester Freund Alex ihr kein Sperma abgeben und ihre Gynäkologin ihr weder Eier entnehmen noch isolieren wollte, hat sie erst Papas Kreditkarte geklaut und sich dann ihre ‚Zutaten’ im Internet bestellt, um herauszufinden,

wie das so geht
wo man herkommt
wie sich das so anfühlt und das so aussieht im Glas und bei der Teilung
und wenn dann Meiose stattfindet

Begründung der Jury (Auszug)

Vor dem Hintergrund der aberwitzigen Ausgangssituation gelingt der Autorin ein quasi philosophisches Essay über Leben und Herrschaft, Schöpfung und Demut, aber auch über Bildungsinhalte und Funktion von Schule. Die Sprache ist kunstvoll gesetzt und unterstreicht fortwährend die hintersinnige Bedeutung der scheinbar leicht daher geplapperten Worte durch Auslassungen. Dadurch entsteht ein monologischer Mega-Satz über die großen Fragen der Zeit, der sich auch vor ratlosen Pausen nicht scheut, eine Ratlosigkeit, die sich übertragen und fruchtbare Diskussionen im Publikum anregen kann.

Produktionen

wehrtheater; Regie: Andrea Bleikamp; Premiere: April 2012
Nominiert für den Kölner Kinder- und Jugendtheaterpreis 2012

Junges Theater Münster; Regie: Angelika Schlaghecken; Premiere: Januar 2013

Junge Württembergische Landesbühne Esslingen; Regie: Anna Katharina Winkler; Premiere: Juli 2013

u/hof: Landestheater Linz; Regie: Julia Maria Ransmayr; Premiere: September 2013; WA: 2014/15
Eingeladen zum Schäxpir-Festival Linz 2015